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Bernhard Sommergruber - Psychotherapeut - 1010 Wien - Seitenstettengasse 5


Sexueller Mißbrauch - Buben als Opfer

Angst vor Homosexualität


Buben, die von Männern oder Buben sexuell mißbraucht werden, waren weder automatisch vorher homosexuell oder werden automatisch durch die Sexuelle Mißhandlung homosexuell. 

Eben: Auch hier gibt es dank dem Menschlichen keinen Automatismus! Buben können bereits vor den Übergriffen gewußt haben, daß sie nicht homosexuell sind, andere können bereits ihre Homosexualität erkannt haben oder sie können sich noch nicht sicher gewesen sein welche sexuelle/n Orientierung/en sie eingehen werden. 

Bei Frauen/Mädchen als Opfer käme doch niemand (?) auf den Gedanken zu sagen: "Dieses Mädchen wollte doch endlich von einem Mann in die Sexualität eingeführt werden". So wird doch auch niemand (?) auf die Idee kommen: "Der Bub war eben homosexuell, also war es ja kein Wunder, daß ein Mann mit ihm etwas angefangen hat." Ich hoffe es, daß niemand auf solche Ideen kommt... 

Ein Bild dazu: Wenn ich gerne Fisch esse, so ist da ok. Aber ich will weder mit psychischer noch mit physischer Gewalt zum Fisch essen gezwungen werden!

Also: Es ist die Freiheit, die zur Sexualität gehört. Ein Mensch, der zu Sexualität physisch und/oder psychisch gezwungen wird, ist in der verdammten Lage, daß ein Mensch versucht, seine Freiheit einzuengen.

Für viele Buben bzw. Männer entsteht oder verstärkt sich durch diese Form der Mißhandlung die Frage nach der eigenen Homosexualität. Und hier ist für manche Buben bzw. Männer nicht leicht unterscheidbar: Was sind meine eigenen homosexuellen Anteile, die viele Menschen haben, und was versucht der Täter "in mich hineinzulegen". Und es ist in dieser Entwicklungsphase nicht logisch abhandelbar: "Das was er tut, ist für mich schlecht. Ich bin nicht homosexuell...". Häufig trifft die Buben dieser Mißbrauch ohne daß die personelle und sexuelle Entwicklung abgeschlossen wäre. Sie wissen häufig nicht, was ihre eigene Sexualität ist - denn sie sind in ihrer Kindheit und Jugend in einer Entwicklungsphase. Und diese Mißhandlung ist ein Angriff auf die Integrität der Person. Erwachsene können sich häufig schlecht gegen solche Angriffe wehren! Wie soll sich ein Kind erfolgreich wehren können?

Homosexualität ist für die meisten Menschen etwas "Ungewohntes", "Angst-Machendes". In diesem gesellschaftlichen Klima wird nun einem Bub von einem Mann diese Form der Sexualität aufgezwungen. Und der Bub KANN trotz Unfreiheit, trotz Nicht-Wollen AUCH Lust(-"Anteile") empfinden. Von der Gesellschaft erhielt er bisher die Botschaft: Homosexualität sei verwerflich. Nun kann er sich als ein Teil des Verwerflichen fühlen.

Und: Wie die meisten von uns wissen, ist die eigene Sexualitätsentwicklung keine einfache Sache. Und in diese nicht-einfache "Sache" gelangt nun etwas Störendes, etwas Grausames, etwas, das nicht gewollt, nicht intendiert war. Aber es ist da. Und es kann die Frage entstehen: Welche Sexualität ist meine?