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Bernhard Sommergruber - Psychotherapeut - 1010 Wien - Seitenstettengasse 5
"Das ganze Leben ist zerstört" u.ä. Aussagen sollten Sie tunlichst überdenken, denn ein verletztes Leben ist nicht zerstört.
Stellen Sie sich vor, Ihnen vermittelt jemand immer wieder verbal und/oder non-verbal:
Du bist so arm / Dein Leben ist ja so schrecklich, weil Dir das damals passiert ist / Jemandem dem so etwas passiert ist, muß ja so oder so handeln.... da ist es ja klar, daß sie/er so oder so reagiert / So ein Leben ist ja zerstört etc.
Ich gehe davon aus, daß es Ihnen nicht gut gehen, wenn man so mit Ihnen sprechen würde und ihm so begegnet!
Spricht man so mit einem Menschen, vermittelt man positiv, daß man die Übergriffe verurteilt, jedoch sagt man dem anderen ebenso, daß sein Leben nicht so wertvoll ist, da zerstört, vermittelt man, daß sie/er nicht oder nur ein wenig machen kann, um das Leben nun frei zu gestalten. Jemand, dem etwas Schreckliches angetan wurde, neigt häufig dazu das Leben einzuengen. Und mit obigen Mitteilungen verstärken Sie diese Tendenz zur Einengung.
Was sollen Sie vermitteln?
Verurteilen der Tat ohne die Person, die für den Sexuellen Mißbrauch verantwortlich ist, automatisch zu 100% zu verurteilen, denn häufig verurteilen die Betroffenen diese Person nicht hundertprozentig, da sie mit der gleichen Person, die sie gequält hat, auch ihnen wertvolle positive Erfahrungen verbinden. Verurteilen Sie in "Grund und Boden", engen sie Ihre/n PartnerIn ein. Sie/er ist dann wieder eingeengt und fühlt sich nicht frei ihren Weg zu gehen. Ein Weg, der u.a. heißt das Geschehene zu integrieren. In der Kindheit ist es unmöglich solche Taten einzuordnen, frei zu bewerten. Diese Schritte müssen in späteren Jahren nachgeholt werden. Wenn Sie - bildlich gesprochen - den Vater töten, töten Sie einen Teil Ihrer/s PartnerIn. Denn sie/er fühlt sich ev. noch - wie es, vor allem bei einem Kind, physiologisch ist noch als Teil von derjenigen Bezugsperson, die die Tat begangen hat.
Vermitteln Sie nur das, was wirklich zu Ihnen selbst paßt. Sie müssen authentisch sein.
Vermitteln Sie, daß Sie zwar versuchen Ihre/n PartnerIn zu verstehen, daß dies jedoch nicht
immer der Fall sein kann - dies ist ganz normal...
Sollten Sie das Gefühl haben, Sie müßten nun "alles wieder gut machen" bzw. Sie wären dafür verantwortlich, daß es Ihrer/m PartnerIn nun gut geht, achten sie darauf: Sie sind nur zum Teil verantwortlich. Wenn Ihrer PartnerIn die Verantwortung nicht ebenso übernimmt, haben Sie keine Chance. Auch Sie können nicht nur gescheit, nur geduldig sein. Auch Sie können nicht alles ertragen. Auch Sie können nicht alles tragen!
Sollten Sie das Gefühl haben, Ihre/r PartnerIn würde eine Psychotherapie gut tun, Ihr/e PartnerIn dies jedoch ablehnen: Sie können niemanden zu einer Psychotherapie zwingen. Sie müssen - schmerzhaft - akzeptieren, daß Ihr/e PartnerIn (derzeit) nicht bereit ist mit Ihrem Leid nach außen zu gehen, da sie/er vielleicht (noch) zu stark das Gefühl hat, daß sie/er sich dabei entblößen würde. Wenn Sie es aushalten, können Sie nur die Hoffnung in sich tragen - und - von großer Zeit zu großer Zeit - ihr/ihm vermitteln: "Ich sehe Dich leiden. Ich weiß, Du hörst es nicht gerne. Weil ich Dich lieb habe, muß ich es Dir sagen: ...... Kann ich Dir dabei helfen?"